Refresh von NoteBook Akkus


letzte Änderung am: 14.02.2003

Mein NoteBook meinte beim Einschalten, trotz voll geladenem Akku, dass es nur noch 4 Minuten Restlaufzeit hätte und wollte sofort wieder abschalten. Das NoteBook incl. Akku ist knapp 2 Jahre alt und läuft meistens im Netzbetrieb. Eine gewisse Kurzatmigkeit des Akkus war mir schon aufgefallen und Akkus unterliegen ja auch einer Alterung, also hatte ich diesem Umstand keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Aber so schlimm darf der Kapazitätsschwund bei einem Nickel Metall Hydrid (NiMh) Akku nun auch nicht sein.
Also das NoteBook an das Netzteil und unter Windows die Ladung überwachen. Welch Erstaunen, dass der Ladebalken bei 6% stehenblieb und sich auch im Laufe des Tages nicht bewegte. Also Akkubetrieb um den Akku zu entleeren und neu zu trainieren ... das geht nämlich mit den meisten Akkus.
Nach 4 Minuten kam dann wieder das obligatorische AUS. Windows fuhr herunter und das NoteBook schaltete ab. So läßt sich also der Akku nicht "überlisten".

Moderne NoteBook Akkus (und natürlich Akkus andere Geräte) haben oft einen Ladecontroller im Akku integriert, der den Akkuzustand überwacht und in meinem Fall z.B. falsche Daten an Windows meldet.
Was tun?
Ein neuer Akku für mein Notebook kostet ca. 150 Euro und das war mir zu teuer.

Also Akku ausbauen und ab damit auf die Werkbank. Laut Aufdruck beträgt die Nennspannung 9,6 Volt. Das entspricht 8 Zellen a 1,2 Volt Nennspannung.

Die passenden Anschlüsse am Stecker des Netzteils sind mittels Multimeter schnell gefunden. Dabei sollte man einen Widerstand von ca. 100 Ohm parallel zum Multimeter hängen um die wirlichen Anschlüsse zu finden und nicht auf einen "Interface" oder Meßanschluß hereinzufallen.

Ein voller NiMH-Akku sollte hier deutlich mehr als die Nennspannung (etwa Zellenanzahl * 1,3 Volt) anzeigen.

Nachdem die passenden Anschlüsse gefunden sind, benötigt man noch einen vernünftigen "Stecker" um Kabel an den Akku anzustecken. In meinem Fall ging das hervorragend mit einfachen 4mm Ringösen aus der KFZ-Ecke.

Warnung: Von Lötversuchen am Akku ist dringend abzuraten, da er dadurch üblicherweise beschädigt wird. Auch alle anderen Kontaktversuche müssen "gewaltfrei" geschehen.
Schließen Sie einen Akku niemals kurz! Es besteht einerseits Brandgefahr und andererseits kann dadurch der Akku dauerhaft beschädigt werden.

Die Ringösen sind auf eine stabilere Litze (es werden ca. 2 Ampere darüber fliessen) gequetscht und auf der anderen Seite ist ein 25 Watt (4,7 Ohm) Widerstand angelötet.

Achtung: bei einer Akkuspannung von ca. 9 bis 10 Volt fließen etwa 2 Ampere über den 4,7 Ohm Widerstand. Dieser "verbrät" dann ca. 20 Watt Leistung und wird entsprechend sehr heiß.

Zum Schutz des Widerstandes sollte er auf einem größeren Blech montiert werden und zu Ihrem Eigenschutz sollten Sie den Widerstand nicht anfassen. Bitte entfernen Sie auch alle leicht entflammbaren Gegenstände aus seiner Nähe.

Für nicht ganz so geübte "Bastler" empfehle ich hier einen 25 Watt 10 Ohm Widerstand z.B. Conrad Nr. 421359 (ca. 2,30 Euro) einzusetzen. Auf Grund des doppelten Widerstandes fließt nur der halbe Strom und somit entsteht weniger Leistung und Wärme. Dafür dauert die Entladezeit doppel so lange.

Sie müssen unbedingt Ihr Multimeter mitlaufen und sollten die Schaltung nicht unbeaufsichtigt lassen, während Sie den Akku entladen.

Bei meinem 4000 mAh (entspricht 4 Ampere Stunden) Akku und einer Entladung mit 2 Ampere muß der voll geladene Akku etwa 2 Stunden entladen werden um "leer" zu sein.

Die Entladung ist beendet, wenn die Spannung einer Einzelzelle auf 1 Volt gefallen ist. In meinem (Beispiel)Fall also, wenn das Multimeter 8 Volt anzeigt.

Achtung: Tiefentladung, d.h. Entladung unter 0.8V pro Zelle schädigt den Akku dauerhaft.

Wenn Sie den Akku mit einem 4,7 Ohm Widerstand entladen, er zu Entladebeginn die Nennspannung (in meinem Fall etwa 9,6 Volt) anzeigt und sich der Wert nur langsam abwärts bewegt, können Sie von einem guten Akku ausgehen.
Falls Sie sich die Entladezeit notieren können Sie diese mit dem Entladestrom multiplizieren und sollten ungefähr auf den Wert der Nennkapazität kommen.

Wenn der Akku auch bei mehrfachen Versuchen nicht mehr als 50% seiner Nennkapazität erreicht, sollten Sie ihn ersetzen.

In meinem Fall hat der Akku knapp 2 Stunden zur Entladung gebraucht.
Danach habe ich ihn wieder ins NoteBook eingesetzt und auf 100% laden lassen. Jetzt erreicht das NoteBook wieder fast 2 Stunden Betriebszeit mit diesem Akku. Das Recycling ist also gelungen.

Sollte die Spannung unter Belastung sehr schnell zusammenbrechen, können folgende Ursachen vorliegen:

  1. Sie haben die falschen Anschlüsse am Akku ausgesucht
  2. Der Akku war/ist nicht voll geladen
  3. Der Akku enthält eine defekte Zelle

Im ersten Fall versuchen Sie bitte andere Anschlüsse Ihres Akkus.
Im zweiten Fall, setzten Sie ihn bitte im Notebook ein und überwachen Sie den Ladevorgang. Windows sollte Ihnen anzeigen, wie weit der Akku nach seiner Meinung geladen ist. Im Zweifelsfall wiederholen Sie die Prozedur.
Im dritten Fall, hilft nur der Einsatz eines neuen Akkus.

Anmerkung: Falls Sie Akkus anderer Geräte oder anderer Nennkapazitäten entladen wollen ... nehmen Sie bitte als Faustformel als maximalen Entladestrom 1/2 C oder falls Sie sich nicht sicher sind lieber nur 1/4 C.
Dimensionieren Sie den Widerstand ausreichend nach den Formeln: U=I*R und P=U*I dabei steht:

    U = Spannung (in Volt)
    I = Strom (in Ampere)
    R = Widerstand (in Ohm)
    P = Leistung (in Watt)
    C = Nennkapazität in Amperestunden


Ergänzt am 14.02.2003
PS: Eine andere evtl. einfachere Möglichkeit: Nehmen Sie die Knoppix Linux CD aus der c't 4/2003, booten Sie Ihr NoteBook und lassen Sie es laufen, bis der Akku leer ist. Knoppix meldet zwar vorzeitig, dass der Akku leer ist, fährt aber den PC nicht automatisch runter.



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